Thursday, 28. June 2018

5 Statements zu Deutschlands WM-Aus

Das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft hat historische Ausmaße, trotzdem muss die Lage differenziert betrachtet werden. Hier die exklusive Einschätzung von Prof. Schmidt.

1. Kurzschlusshandlungen sollten um jeden Preis vermieden werden

Vor 14 Jahren sind Joachim Löw und Oliver Bierhoff zum DFB gekommen, haben die Nationalmannschaft reformiert und 2014 zum WM-Titel geführt. Das Ausscheiden in Russland ist ein Rückschlag, aber nicht gleichbedeutend mit dem Scheitern ihrer langfristigen Strategie. Nicht umsonst wurden die Verträge mit beiden vor der WM bis 2022 bzw. 2024 verlängert. Kurzschlusshandlungen im Misserfolg sollten nun um jeden Preis vermieden werden.

2. Das Glück des deutschen Fußballs hängt nicht allein vom WM-Titel ab

Im digitalen Zeitalter bedeutet Stillstand den Tod. Unternehmen sterben heute schneller als je zuvor, es mangelt an strategischer Selbsterneuerung. Und dieser Trend betrifft alle Branchen - auch den Fußball. Die Führung der Nationalmannschaft hat die Zeichen der Zeit schon vor über vier Jahren erkannt und mit dem "Grand Project 2024" die Weichen für die Zukunft gestellt. Langfristig stehen die Zeichen weiterhin auf Erfolg, dafür sorgen die Neu-Strukturierung des Verbandes sowie die DFB-Akademie. Das frühe WM-Aus ist zwar bitter und tut weh, ändert daran aber nichts.

3. Die Nationalmannschaft hat aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, Nachhaltigkeit ist gegeben

In den 90er-Jahren dachten die Verantwortlichen des DFB, dass man über Jahre hinaus unschlagbar sein würde. Sie verpassten es, rechtzeitig notwendige Reformen in Angriff zu nehmen. Dabei täuschten der WM-Titel von 1990 und später auch der Sieg bei der EM 1996 darüber hinweg, dass notwendige Strukturmaßnahmen dringend geboten waren. Dies ist heute anders. Trotz des frühen Scheiterns in Russland ist die Nachhaltigkeit im Umfeld der Nationalmannschaft durch die Reformen und strategischen Entscheidungen der vergangenen 14 bis 16 Jahre gegeben. Deshalb sollte es uns um den deutschen Fußball auch nicht bange werden.

4. Fußball ist ungleich brutaler als die Wirtschaft

Fußball ist nun einmal ein von vielen unberechenbaren Faktoren und Unwägbarkeiten abhängiger Sport. Siege und Titel sind nicht generalstabsmäßig planbar. In der Wirtschaftswelt können mehrere Unternehmen zeitgleich Weltspitze sein und sich feiern lassen. Fußball ist da ungleich brutaler: Nur eine Mannschaft kann den WM-Titel gewinnen, nur eine Mannschaft kann an der Spitze stehen. Auch der öffentliche Druck ist im Fußball ungleich höher. Alle Beteiligten stehen ständig unter dem Brennglas der öffentlichen Wahrnehmung. All dies sollten die Verantwortlichen in die Bewertung des Abschneidens bei der WM in Russland berücksichtigen.

5. Die größte Herausforderung wird es nun sein, ruhig zu bleiben und die richtige Balance zu finden

Klar ist, dass das vorzeitige Scheitern bei dieser WM zu Veränderungen bei der Nationalmannschaft führen muss - sowohl sportlich als auch organisatorisch. Es geht um "kreative Zerstörung", d.h. bestehende Strukturen und Prozesse zu hinterfragen und neue Dinge auszuprobieren. Gleichzeitig darf aber auch nicht alles, was in der Vergangenheit zum Erfolg führte, über Bord geworfen werden. Die Verantwortlichen beim DFB müssen die richtige Balance zwischen dem Erhalt des Bewährten und notwendiger Erneuerung finden, um in vier Jahren wieder um den Titel mitzuspielen.