Moneyballisierung


Moneyball geht auf Billy Beane, Generaldirektor der Oakland Athletics, zurück. Er formte Ende der 90er Jahre gegen heftigen Widerstand der clubeigenen Scouts auf Basis der damals in der Baseballszene verspotteten Sabermetrics ein neues Baseballteam. Dabei verpflichtete er Spieler, die nach gängigen Statistiken durch den Rost fielen und deshalb günstig auf dem Transfermarkt zu haben waren. Der Clou lag in der neuartigen Entwicklung von Statistiken, die nicht nur Teilaspekte, sondern die Leistung eines Spielers ganzheitlich erfassten und zugleich Rahmenbedingungen wie Saison- oder Stadioneinflüsse berücksichtigten. Trotz deutlich finanzieller Unterlegenheit gegenüber der Konkurrenz gelang es den Oakland Athletics von 2000 bis 2013 sieben Mal in die nordamerikanischen Play-Offs einzuziehen – und dies mit den jeweils niedrigsten durchschnittlichen Kosten pro Sieg innerhalb der MLB.

Zwar lassen sich Moneyball-Prinzipien offensichtlich nicht eins zu eins auf den Fußball übertragen, da Fußball deutlich dynamischer und komplexer ist als Baseball, das in der Regel aus wenigen sich wiederholenden Standardsituationen besteht. Trotzdem engagierte 2015 der holländischen Erstligist Twente Enschede Billy Bean, um nach neuen Wegen im Fußball zu suchen. Aber es war nun nicht ein holländischer Proficlub oder einer der Branchenführer aus Barcelona, Manchester oder München, der konsequent auf Moneyball-Prinzipien setzte. Vielmehr traute sich der FC Midtjylland, Erstligist in der dänischen Provinz, als erster Proficlub, seine Profimannschaft ausschließlich nach mathematischen Modellen und Algorithmen aufzustellen und deren Leistung anhand eines Rating Modells unabhängig vom aktuellen Tabellenplatz einzuschätzen. Mit dieser radikalen Umsetzung des Moneyball-Prinzips wurde der FC Midtjylland 2015 dänischer Meister – und dies im Vergleich zur unmittelbaren Konkurrenz mit einem relativ geringen Spieleretat.